MAGIE, MATRIACHAT UND MARIENKULT


Frauen und Religion, Versuch eine Bestandsaufnahme.

Refereriert von Nadia Ayarziz.

nach einer Vorlage von KARIN GAUBE & ALEXANDER VON PECHMANN.

Einleitung


In der Zeit, in der die Frauen die alten Rollen und die "Männliche Unfehlbarkeit" überdenken, könnte man eigentlich annehmen, dass sie der Kirche den Rücken zudrehen.

Doch genau das Gegenteil tritt ein. Sie wenden sich eher der Kirche zu und äussern ihren Willen in der feministischen Theologie, der Matriachatforschung, der feministischen Magie und Spiritualität.

1.: Frauen bemächtigen sich der Religion

Papst Johannes, der XXIII, benannte die Frauenbewegung auf dem zweitem Vatikanischem Konzil als eines der drei Zeichen der modernen Zeit. Das Ende der Frauenfeindlichkeit und der Männerherrschaft.

Die Botschaft des Papstes ermunterte in der Folgezeit viele Frauen ihre Gleichberechtigung einzuklagen und die Forderung nach dem Priester-Amt laut werden zu lassen.

Die Feministische Theologie war geboren.

Zitat: "Wozu brauchen wir einen Gott," fragt die protestantische Theologin DOROTHEE SOELLE, "dessen wichtigste Qualität nichts als das männliche Ideal repräsentiert, nämlich Macht zu haben. Wir können Mutter oder Schwester zu Gott sagen, wir können auch naturhafte Symbole benutzen." Zitatende.

Auf der Suche nach ihrer Identität und Geschichte greifen heute feministische Matriarchatforscherrinnen auf matriachale Myhten wie die von Urmüttern und Göttinen zurück.
Nach dem Motto: "Am Anfang war die Frau" suchen sie nach den Strukturen matriachaler Gesellschaften.

Viele dieser Frauen wollen zeigen, wie friedlich die Welt sein könnte, wenn den Männern die Macht genommen würde, da diese von Natur aus kampfdurstig und ohne Bindung an die Natur sind. Das Wissen um die von Frauen geleiteten Gesellschaften, die von Forscherrinnen harmonische und herrschaftsfreie Kulturen beschrieben werden, soll die Grundlage bilden für eine feministische Gesellschaftsutopie.

Matriachatsforscherrinnen, wie die Philosophin HEIDE GOETTNER ABENDROTH befragten heidnische Myhten und Religionen in der Absicht, Informationen über deren zugrunde liegende gesellschaftliche Kultur zu erhalten.

Magie, so die modernen Hexenfrauen, ist etwas ganz anderes als Religion. Magie ist Körpernahe, auf die einzelne Frau konzentriert. Frauen, so die Argumentation, sind von Natur aus magischer veranlagt als Männer. Aufgrund ihrer natürlichen Monatsrhythmen und durch die Erfahrungen von Schwangerschaft und Geburt sind sie enger mit der Natur und ihren Kräften verbunden.
Männer dagegen bewegen sich ausserhalb des natürlichen Lebensrhythmus der Natur. Ihr haben sie eine technische Rationalität entgegengesetzt, deren faktische Irrationalität in Naturzerstörung und Atomwaffen zum Ausdruck kommt. "Hexen gegen den Atomtod" haben sich versammelt, um die "Lebensbewahrende" weibliche Magie dem männlichen Zerstöhrungswahn entgegenzusetzen.

Die anderen Frauen sehen dies als Verrat an den Fortschritt der Frau zum asoziierten Menschen in der "Männerwelt". Sie stellen die Thesen der "Hexen" als Rückschritt ins Mittelalter dar, indem die Frau als Böses und als Hexe verbrannt wurde.
Schliesslich wurden durch den Hexenhammer, dem Werk zweier Dominikaner-Mönche, und der Praxis der Hexenverfolgung, der Ausschluss der Frauen vom Priester-Amt und dem Zölibat begünstigt und reproduziert.

2.: Feministische Theologie

a): Der Aufstand der Frauen in der Kirche

Durch die benachteiligung der Frau (Patriachatsherrschaft in der Kirche) kam es zu zahlreichen Kirchenaustritten, Besucherrückgang bei den Gottesdiensten, Rückgang der kirchlichen Eheschliessungen und Taufen und zuletzt herrschte ein akuter Priestermangel.
Das machte die Katholische Kirche stutzig und viele Frauen setzten darauf hohe Erwartungen.

Viele Anträge wurden an das Konzil gerichtet, in denen um eine Verbesserung des Frauenbildes in der Kirche gebeten wurde. Dabei wurde als Erstes die Forderung erhoben, Frauen überhaupt erst einmal an den Sitzungen des Konzils teilnehmen zu lassen.

Nach langem schliesslich wurden (zumeist Ordensfrauen) zugelassen, aber nur zu den Sitzungen, die unmittelbar mit für Frauen relevanten Themen beschäftigt waren. Diese Frauen hatten jedoch keine Rede- und Antragsrechte. Sie dürften nur die Diskussionen verfolgen. Deutlicher konnte das Missverhältnis zwischen der Katholischen Kirche und den Frauen nicht zum Ausdruck kommen.

Die grösste Wut der Frauen aber beruhten vor allem auf zahlreiche Aussagen von Theologen, die die Frauenfeindlichkeit konkret zur Aussprache brachten.
So z.b. THOMAS VON AQUIN (1225 bis 1274), aufgrund seiner Zeugungstheorie, wonach die Frau nur den "formlosen Stoff", der Mann hingegen die "formende Kraft des Samens" zur Verfügung stellt, verkümmert die Frau zu "Gefäss", zum "Behälter" für das gottmännlich geschaffene Leben in ihr.

Da "die tätig wirksame Kraft im Manne", so THOMAS VON AQUIN weiter, "ihrer besonderen Natur nach etwas sich Ähnliches hervorbringen will, nämlich etwas Männliches", blieb die Frau nur noch als ein "misslungener Mann" übrig. Demnach sind Frauen nicht nur von allen kirchlichen Ämtern ausgeschlossen, sondern sie werden auch im Rahmen der Kirchengemeinde wie Menschen zweiter Klasse behandelt.

Obwohl die Unhaltbarkeit der mittelalterlichen Zeugungstheorie durch die Neuzeitlichen Erkenntnisse der Genetik längst bewiesen war, hielten unbelehrbare Kirchenobere vehement an der Aussage AQUIN's fest.

Das am häufigsten vorgebrachte Anliegen der Frauen an das zweite Vatikanische Konzil betraf jedoch die Zulassung zum Priester-Amt. In der Protestantischen Kirche haben Frauen sich das Pastoren-Amt erobert, der Zugang zur oberen Etage des Bischofsamtes bleibt ihnen jedoch auch hier verschlossen.

Die Tatsache, dass sie aus den oberen Kirchenämtern generell ausgeschlossen waren, motivierten die Frauen über die Gleichstellung in der Kirche und Gesellschaft kritisch zu untersuchen. Zitat: "Die feministische Theologie" heisst es in einem Positionspapier dazu, "beginnt mit der Entdeckung, dass die christliche Tradition die Menschwerdung der Frau behindert, bzw. nicht unterstützt.".

b): Frauen entdecken die Bibel

ELIZABETH CADDY STANTON schrieb im 19ten Jahrhundert die "Women's Bibel", eine neue Bibel aus Frauensicht.

Die Bibeltexte sind mehr als 2000 Jahre alt. Ihre Verfasser entstammen dem Judentum, in dem, wie in allen patriachialen Religionen und Kulturen die Frau eine untergeordnete Stellung einnahm.

"Am Anfang war die Frau"

Im biblischem Schöpfungsbericht schuf Gott die Welt. Als erstes teilte er Himmel und Erde, Licht und Finsternis, Wasser und Land, schuf Pflanzen und Tiere; am Ende der Schöpfung, als "Krönung", schuf Gott den Menschen. Als Abbild Gottes schuf er "Ihn" als Mann, und als Frau schuf er "Sie". (Genesis 1,27)
Gott formte zunächst aus dem Ackerboden ADAM, dann aus einer Rippe EVA. (Genesis 2,7)

Die zweite Schilderung aus dem Schöpfungsbericht über die Entstehung von Mann und Frau ist von der christlichen Theologie im Laufe ihrer Geschichte immer wieder als zentraler Beleg für die "Zweitrangigkeit" der Frau gegenüber dem Mann herangezogen worden. Feministische Theologinnen betrachten diese Version als typisches Produkt "patriachialer Geschichtsverfälschung" in der Bibel.

Der reale Geburtsvorgang, wonach Frauen Leben gebähren, wird in dieser Geschichte auf den Kopf gestellt.

"Eva und der Apfel ...."

Am Anfang war da noch das Paradies. Die Bibel beschreibt die Verführung Eva's durch die Schlange. Die Schlange überredete Eva vom verbotenen Baum der Erkenntnis zu Essen, ihr sollen dadurch die Augen geöffnet werden und sie werde wie Gott. Als Strafe für diesen Ungehorsam vertrieb Gott Adam und Eva aus dem Paradies und entliess sie damit in ein Leben voll Mühsahl, Krankheit und Not.
Die christliche Theologie interpretierte daraus die Urschuld des weiblichen Geschlechtes. Die Frau, und nicht der Mann, übertrat das göttliche Verbot; die Frau, und nicht der Mann, liess sich von der Versprechung der Schlange verführen. "Einfallspforte des Teufels" haben mittelalterliche Theologen die Frauen deshalb genannt und ihr die ausschliessliche Schuld am Leid der Welt zugesprochen. Denn es war die Frau, die durch ihren Ungehorsam dem unbeschwertem Leben im Paradies ein Ende gesetzt hatte: "Wenn die Welt ohne Frauen sein könnte", resümieren die Autoren des HEXENHAMMERS (1487 in Strassburg gedruckt), würden wir mit den Göttern verkehren. "Die wollüstige, sinnliche und von Natur aus aufsässige Frau ist das geeignete Werkzeug in der Hand des Teufels in seinem hartnäckigem Bemühen, Gottes Heilsplan zu sabotieren."

Die Hexe schliesslich war der Innbegriff der verführerrischen und gefährlichen Frau, "schön nach aussen, aber darunter voller Verderbnis, die den männlichen Geist in den Abgrund der Sünde, des Todes, und der Verdammnis zerrt."

Hysterischer Frauenhass und Frauenvernichtung waren das Ergebnis.

"Das sündige Fleisch"

Die Aussage zur Sexualität bei Paulus haben die christliche Moral und Sittenlehre und damit ihr Frauenbild geprägt. Sie zeichnen sich durch eine überspitzte Gegenüberstellung von "reinem Geist" und "sündigem Fleisch" aus, wobei der Mann den "Geist", die Frau hingegen das "Fleisch" verkörpert.
Diese Verachtung des "Fleisches" bei Paulus, hat für die Frauen schlimme Konsequenzen gehabt.
Paulus schreibt:

"Denn alle, die vom Fleisch bestimmt sind, trachten nach dem, was dem Fleisch entspricht, alle, die vom Geist bestimmt sind, nach dem, was dem Geist entspricht. Das Trachten des Fleisches führt zum Tod, das Trachten des Geistes aber zu Leben und Frieden. Denn das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott; es unterwirft sich nicht dem Gesetz Gottes und kann es auch nicht. Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen."

(Römer 8,5 - 9)

Dementsprechend empfiehlt Paulus: "Darum tötet, was irdisch an euch ist: Die Unzucht, die Schamlosigkeit, die bösen Begierden...".
( Kol. 3,5 )

Und fährt fort: "Wer ... in seinem Herzen fest bleibt, weil er sich in der Gewalt hat und seinen Trieben nicht ausgeliefert ist ..., der handelt richtig."
( I.Kor. 7,37 )

Paulus verbreitete die sexuelle Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit und schreibt "Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren."
( I.Kor. 7,1 )

Obwohl heute Theologen diese extreme Gegenüberstellung von "reinem Geist" und "sündigem Fleisch" in der Regel ablehnen und auf das Sakrament der Ehe verweisen, ist der Priesterzölibat in der katholischen Kirche als Erbe paulinischen Denkens bis heute erhalten geblieben.
Der Priesterzölibat reproduziert die Frauenfeindlichkeit täglich auf's neue. Das belegt die Enthaltsamkeitsbestimmung.

Legende:

Nach weisslicher Studie des mir zur Verfügung gestelltem Materials zu diesem Thema, kann man als "normal" denkender Mensch nur zu dem Schluss kommen, dass es an der Zeit ist, diese "kleine" Revolution seinerzeit neu zu entfachen, um noch bestehende Vorurteile endgültig aus dem Weg zu räumen, um somit die Waage zwischen Mann und Frau wieder völlig in ihr ursprüngliches Gleichgewicht zu bringen.

Desweiteren wird es für die heutige Zeit wohl kaum möglich sein, solche alten Thesen aufrecht zu erhalten, was sich mit dem Beginn der sogenannten "Emanzipation" anfing zu entfalten, aber zu schnell die falschen Wege ging und deshalb in einem totalem Engpass endete.

Für Mann und Frau ist es an der Zeit, einen neuen Anfang zu finden, der jedoch nicht durch die Kirche begangen werden kann, da dort noch viel zu vieles geordnet werden muss, bevor diese wieder "begehbar" ist.

Nachwort:

Dieser Bericht basiert auf dem miesestem Buch, das ich je gelesen habe und hoffe, dass sich andere Buchautoren kein Beispiel daran nehmen.


HTML-Bearbeitung: jsffm Homepage